So bereitet sich ein Orchester auf Konzerte vor

 

 

NOZ vom 14.11.2019, NOZ online am 13.11.2019 15:09 - Von Mareike Bader

Im Orchester Osnabrücker Musikfreunde spielen 50 Laien im Alter zwischen 18 und 80 Jahren

Auch beim Herbstkonzert im vergangenen Jahr spielte das Orchester Osnabrücker Musikfreunde in der Alten Kirche in Hagen a.T.W.
Foto: André Havergo

Osnabrück. Gut 50 Mitglieder im Alter von 18 bis 80 Jahren spielen im Orchester Osnabrücker Musikfreunde (OOM). Wie es in dem Laienorchester zugeht, berichten zwei doch sehr unterschiedliche Musiker.

"Wenn man nicht auf den Dirigent guckt, muss man auf die Pauke hören", scherzt Hans-Helmut, besser bekannt als Hanno, Weymann. Dabei weiß der Vorsitzende der Osnabrücker Musikfreunde, der an der Pauke steht, dass die Laienmusiker das eigentlich nicht nötig haben. "Es herrscht eine tolle Disziplin", sagt Weymann über die Probenarbeit. 

Seit 2002 steht der 61-Jährige am Schlagwerk des Orchesters Osnabrücker Musikfreunde (OOM) und steht somit von der Anordnung hinten im Orchester. "Man hat ja da den Überblick, das ist schon stark", beschreibt Weymann. 

50-köpfiges Orchester

Im Alter zwischen 18 und 80 Jahren seien die 50 Laienmusiker des OOM, erklärt der Vorsitzende. Zu den jüngsten zählt Marie Potthoff, die als Hornistin für das Orchester gewonnen werden konnte. Ein Vorspielen gibt es nicht. "Es kann im Prinzip jeder mitmachen", sagt Weymann.

Denn das Orchester setzt sich eigentlich für jedes Projekt etwas anders und an manchen Stellen dann neu zusammen. Zwei Konzerte spielt das OOM jedes Jahr, das Programm wird dabei gemeinsam entschieden. "Unsere Wunschliste ist eine ganze Seite lang", verrät der Vorsitzende. Manches muss länger warten, manches kommt direkt aufs Programm. "Wenn Pauken und Hörner nicht vorkommen, dann kommt es gar nicht auf das Programm", fügt er scherzend hinzu.

Konzert am 16. und 17. November

So auch etwa "Die Schottische" von Felix Mendelssohn-Bartholdy, das bei den Konzerten am Wochenende gespielt wird. "Es sind schon ziemlich unterschiedliche und komplizierte Rhythmen drin, das ist schon sehr anspruchsvoll", sagt Hornistin Potthoff. Da helfe Dirigent Reinmar Neuner zur Orientierung. "Er dirigiert das Tempo und gibt Einsätze und ruft Fall bei der Probe im schlimmsten Fall etwas in den Raum. Aber wenn man auf ihn guckt, dann weiß man, welches Tempo gerade dran ist", sagt die 19-Jährige.

"Das Horn hat das gewisse Etwas"

Die junge Musikerin spielt inzwischen in vier Ensembles mit: zwei Sinfonieorchester und zwei Bigbands – alles in Osnabrück. "Das Horn hat das gewisse Etwas", sagt sie über ihr Instrument und schwärmt dann vom vollen, runden, weichen Klang. Dabei spielen ihre Mutter und ihr Bruder Posaune. "Aber ich wollte anders sein und etwas anderes machen", sagt Potthoff.

Wie finden alteingesessen und neue Musiker zusammen?
Marie Potthoff und Hans-Helmut Weymann.
Foto: Jörn Martens

Vor drei Jahren wurde sie angesprochen, ob sie nicht auch bei den Musikfreunden mitspielen will. Sie habe sich schnell ins OOM eingelebt, sagt die 19-Jährige. Besonders gefällt ihr am OOM das generationsübergreifende Spielen im Orchester: "Das bildet eine unglaublich große Gemeinschaft."

Überraschung im Konzertsaal

Natürlich werde Klassik auch von jungen Menschen gehört, erklärt die 19-Jährige, "Sonst wäre ich jetzt nicht hier". Es sei aber schon oft vorgekommen, dass Freunde, die zuvor mit Klassik nichts am Hut hatten, ihr zuliebe ein Konzert besuchten und so den Spaß an dieser Musik entdeckten, berichtet Potthoff. So auch ihre beste Freundin, die anschließend sagte: "Ich hatte nicht erwartet, dass Klassik so cool sein kann." 

Wunsch nach jüngerem Publikum

Solche Erlebnisse stärken in der Hornistin die Hoffnung, mehr junge Menschen im Konzertsaal zu sehen. "Es wäre schön, wenn man mit der Zeit noch mehr Menschen von klassischer Musik überzeugen und erreichen könnte." Die junge Musikerin sieht aber auch eine starke Entwicklung in aktiven Ensembles. "Ich hoffe, dass irgendwann noch mehr Menschen die Vielseitigkeit von Klassik entdecken", sagt sie über die Sinfoniekonzerte von Laienorchestren.

Harfe als Solo-Instrument

Das Orchester stellt sich bei jedem Projekt nicht nur auf neue Mitspieler ein, sondern auch auf die Solisten, die nur für zwei bis drei Proben anwesend sind. "Als Orchester ist man Begleiter des Solisten. Dieser Rolle muss man sich bewusst sein", betont Vorsitzender Weymann. Es komme eben auf das Miteinanderspielen an. 

Das ist mit der Solistin der Konzerte am Wochenende schon einmal gut gelungen, beim Herbstkonzert 2017 während Claude Debussys "Nocturnes". Damals hatte Katharina Steinbeis als Harfenistin ausgeholfen. "Da haben wir gesagt, wir möchten ein Solokonzert mit ihr machen", sagt OOM-Paukist Weymann.

Mit dem Konzert für Harfe und Orchester des russischen Komponisten Reinold M. Glière (1875-1956) steht ein eher unbekanntes Stück dem restlichen Programm mit Mendelssohn-Bartholdy und Mozart gegenüber. "Harfenkonzerte sind nicht so bekannt", erklärt Weymann. Dabei sei die Harfe nichts Exotisches. "Die Harfe als Instrument ist schon populär", fügt er hinzu.

Schwierigkeit, Aufführungsort zu finden

Die Konzerte finden am Wochenende am Samstag ab 17 Uhr in Hagen a.T.W. in der Alten Kirche sowie am Sonntag ab 17 Uhr im Graf-Stauffenberg-Gymnasium in Osnabrück statt. "Es ist nicht einfach, geeignete Aufführungsorte zu finden", sagt der OOM-Vorsitzende Weymann. Denn die Säle müssen lange genug im Voraus gebucht werden und auch von der Akustik her passen.

Auch abseits Osnabrück tritt das OOM immer mal wieder auf, etwa bei regelmäßigen Gastspielen in Diepholz., sagt Weymann: "Es macht Spaß, wenn wir willkommen sind."