Presseberichte

 

 

NOZ vom 19.11.2018 / NOZ online am 18.11.2018, 16:58 Uhr

Musikfreunde in Hochform: Osnabrücker Orchester spielt elegisch bis furios

Von Thomas Hitzemann

Hagen a.T.W.. Für das Konzert des "Orchesters Osnabrücker Musikfreunde" in der Ehemaligen Kirche von Hagen a.T.W. reicht der Raum fast nicht aus.

David Menkes "Filmische Rhapsodie" von 2017 erweckt ein Kino im Kopf. Reizvolle Klangmixturen zwischen den Instrumentengruppen entstehen bei dieser beinahe neo impressionistischen Musik. Das nachfolgende Konzert für Marimbaphon und Streicher von Emanuel Séjourné zeigt im "Tempo souple" eine weitläufige Melancholie. Solist Adrian Golbeck spielt locker und sensibel. Beim lebhaften "Rhythmique et energique" erscheint dem Osnabrücker Virtuosen keine Hürde zu hoch. 

Peter Tschaikowskys erste Sinfonie, g-moll, op. 13 erweist sich als ein Werk, das auch junge Hörer für Orchestermusik begeistern kann. Dirigent Reinmar Neuner setzt von Anfang an auf dynamische Kontraste. Das Zusammenspiel der Musikfreunde erscheint dicht und dennoch filigran. Schöne Soli erklingen auf Querflöte, Oboe, Fagott und den Posaunen. Nach spannenden, teilweise fugierten Anläufen, gelingt schließlich ein pompöses Finale im Marschrhythmus. 

 

 

NOZ vom 8.10.2018 / NOZ online am 07.10.2018, 19:20 Uhr

Deutsch-englische Klangfülle: Derby Choral Union und Marienkantorei in St. Marien

Von Thomas Hitzemann

Bestechende Klarheit: Der Derby Choral Union und die Marienkantorei sangen mit vereinter Kraft.
Foto: Swaantje Hehmann


Osnabrück. Der Partnerchor der Marienkantorei aus Derby war zu Gast in Osnabrück. Marienkantorei und Derby Choral Union führten am Samstagabend ihre Koproduktion mit dem Orchester Osnabrücker Musikfreunde in der Marienkirche auf.

Unter Leitung von Richard Dacey erklingt zunächst Edward Elgars „Great Is The Lord“. Elgar hatte diese Psalmvertonung ursprünglich für Chor und Orgel konzipiert. Die später erfolgte Umarbeitung des Orgelparts für großes Orchester lässt das Werk bedeutend pompöser erscheinen.

Tatsächlich benötigt man nun eine Sängerschar zweier Chöre. Im etwas zurückhaltenderen Mittelteil übernimmt Carsten Zündorf die melodiöse Baritonpartie. Am Ende entwickelt sich erneut gewaltiges Klangvolumen.


Das Hauptwerk des Abends, Felix Mendelssohn Bartholdys Sinfoniekantate „Lobgesang“ op. 52, erklingt unter Carsten Zündorfs umsichtiger Leitung. Beim Orchester Osnabrücker Musikfreunde gibt Dirigent Reinmar Neuner als Geiger ausnahmsweise den Konzertmeister.

Im Allegro Maestoso der Sinfoniekantate ist das Leitmotiv, das Thema von „Alles, was Odem hat“, bereits unüberhörbar präsent. Beim Allegretto erfreut voll und ganz der Charme des lieblich schaukelnden Hauptthemas. Weich phrasiert rollt das Adagio eine Art von Klangteppich für das kommende vokale Geschehen aus.

Die zusammengefassten Chöre können sich dabei erneut gegenüber dem Orchester behaupten. Sehr überzeugend klingt der Sopran von Miriam Meyer, und die Mezzosopranistin Kerstin Hake fügt sich gut ein. Tenor Felix Heuser hat noch mit den höchsten Tönen zu kämpfen. Seine kürzlich vorgenommene Wandlung vom Bariton zum Tenor scheint noch nicht ganz abgeschlossen zu sein.

Bestechend klar schwebt der Chorklang beim Choral „Nun danket alle Gott“ durch die gut besuchte Marienkirche. Im Schlusschor erreichen beide Chöre erneut die gewaltige Klangfülle des Beginns.

 

 

NOZ online am Sonntag, d. 29. April 2018 / NOZ vom 30. April 2018

Sichtbare und hörbare Farben – Orchester Osnabrücker Musikfreunde überrascht

Von Thomas Hitzemann


Starke Farben für eng verschlungene Klanglinien:
Frühjahrskonzert des Orchesters Osnabrücker Musikfreunde (OOM)
in der ehemaligen Kirche in Hagen. Foto: Michael Gründel

Hagen a.T.W. Im diesjährigen Frühlingskonzert zeigt das Orchester Osnabrücker Musikfreunde ganz verschiedene Facetten der Orchesterliteratur. Vertraute und doch nie ausgeschöpfte Töne präsentieren sie mit Johannes Brahms. Fast vergessener Musik von Paul Hindemith dagegen, verhelfen sie zu neuem Glanz. Schon der erste Abend in der Alten Kirche Hagen überzeugt.

Die freundliche Tonart D-Dur, in der Brahms seine zweite Sinfonie op. 73 geschrieben hat, passt bestens zum voll aufgeblühten Lenz. Verhalten gleitet eine sehnsuchtsvolle Melodie durch das erste Allegro. Die Melodik des Adagio ma non troppo sequenziert und begibt sich auf eine Wanderung durch alle Register des Orchesters. Holzbläser eröffnen pastoral das Allegretto grazioso und die Streicher antworten tänzerisch. Die einzelnen Instrumentalgruppen spielen locker und beweisen viel Selbstständigkeit. Im Allegro con spiritu werden die Hauptthemen durch Unisono Passagen unterstrichen und wirkungsvoll aneinander gefügt. Dirigent Reinmar Neuner drängt sein Orchester in ein elegantes Finale.

Unerwartet, wie ein Gewitter im Frühling, bricht Paul Hindemiths Sinfonie „Mathis der Maler“ über das Publikum herein. Zu diesem dreisätzigen Werk ließ sich Hindemith seinerzeit durch Bilder aus dem Isenheimer Altar von Matthias Grünewald inspirieren. Die glühenden Farben und den dramatischen Figurenaufbau der Altartafeln verwandelt Hindemith in Töne von unerhörter Kraft.

Im ersten Satz „Engelskonzert“ hört man ein sanftes Flügelschwingen der musizierenden Engel, das jedoch häufig in heftiges Flügelschlagen übergeht. Bei der „Grablegung“ erklingen Flöte und Oboe hell und rein. Sie scheinen über kriechend langsamen Passagen im Tutti zu schweben.
Grünewalds „Versuchung des Heiligen Antonius“ zeigt die stärksten Farben und eine sehr bewegte Figurengruppe. Multimotivisch und stark rhythmisiert setzt die Musik dies um. Eng verschlungene Klanglinien verdeutlichen das grauenvolle Gewimmel auf der Bildvorlage. Obwohl das Orchester oft im Forte spielt, lassen sich die Strukturen und alle Feinheiten gut heraushören.

Hilfreich für das Publikum ist auch die gleichzeitige Projektion der Bilder auf Breitleinwand. Selten hat man den Dirigenten Reinmar Neuner nach einer Aufführung so zufrieden erlebt, wie diesmal. Zurecht!

 

 

NOZ online am Sonntag, d. 12. November 2017 / Meller Kreisblatt vom 13.11.2017

„MEINE SEELE DÜRSTET“ – „Elias“ als Riesenchorprojekt in der Petrikirche Melle

Von Conny Rutsch

Melle. Imposant und ergreifend. Der Kammerchor Cantus firmus des Kirchenkreises Georgsmarienhütte und die Kantorei der Petrigemeinde Melle bildeten den Riesenchor für Felix Mendelssohns Oratorium „Elias“, das am Samstagabend in der Petrikirche einen sensationellen Erfolg feierte.

Zwei Chöre, zwei Dirigenten, Orchester und Solisten machten das Hörerlebnis „Elias“ in der Petrikirche perfekt.
Foto: Conny Rutsch

Die Kirchenkreiskantoren Stefan Bruhn aus Georgsmarienhütte und Andreas Opp, Melle, hatten sich zu Beginn des Jahres ein musikalisches XXL-Projekt vorgenommen. Der „Elias“ zählt zu einem der bekanntesten Oratorien überhaupt und zum Höhepunkt der Oratorienkompositionen im 19. Jahrhundert. Opulente Chorsätze, feine Solopartien und Ensemblesätze machen das schwierige Thema des Oratoriums zu einem beeindruckenden Hörerlebnis. Zwei Chöre zusammenzuführen, das Orchester der Osnabrücker Musikfreunde dazu zu bauen, ist eine Herausforderung, die den beiden Chorleitern exzellent gelang.

Keine leichte Kost

Der Inhalt des Oratoriums ist durchaus keine leichte Kost. Geht es doch um Bilder und Szenen aus der alttestamentarischen biblischen Eliasgeschichte. Der Prophet Elias kämpft gegen den Baalskult in Norden Israels, der den Glauben der Israeliten bedroht. Bis hin zum feierlichen Schlusschor des monumentalen Werkes geht es um Dürre und Regenwunder, um Mord, um Bekehrung und Erlösung, um Mahnung und Zuspruch.
Eine der zentralen Arien birgt eine Kernaussage: „Herr Gott Abrahams, Isaaks und Israels, erhöre mich... dass dies Volk wisse, das du Herr Gott bist, dass du ihr Herz danach bekehrest“. An die Seele greifend interpretierte Bassbariton Thilo Dahlmann aus Köln seinen Part, voller Herz und mit einer unglaublichen dynamischen Vielfalt der Stimme bis hin zum pianissimo, für das in der voll besetzten Kirche der Fall der berühmten Stecknadel zu hören gewesen wäre.

Klarer Sopran

Für die Kölner Altistin Christine Wehler sei die Engelarie erwähnt: „Sei stille im Herrn“, die sie mit überaus warmem Tembre wunderbar darbrachte. Sehr wandlungsfähig in ihren Partien an Arien und Rezitativen mit durchsetzungsfähigem und klarem Sopran leistete Irene Hammann, Mechernich, ihre solistischen Beiträge. Für den erkrankten Tenor Andreas Kramer sprang Michael Pflumm aus Köln ein und überzeugte mit perfektem Oratorientimbre.
Eines der berühmtesten Stücke aus dem „Elias“ ist sicherlich das Doppelquartett „Denn er hat seinen Engeln befohlen“, das Christine Backer, Sonja Hallmann-Groth, Daniel Skibbe und Dirk Hensiek aus den Chören mit den Solisten vervollständigten.

Überirdischer Höreindruck

Eine beeindruckende Idee für das Engelterzett „Habe deine Augen auf zu den Bergen“: von irgendwo aus dem Off, für die Zuschauer nicht zu sehen, vermittelten die Solistinnen tatsächlich einen überirdischen Höreindruck.
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Anreas Opp und Stefan Bruhn teilten sich die Arbeit, ihnen gilt ein großes Kompliment für ihre feinsinnigen Dirigate und den Orchestermusikern für ihr hochengagiertes Musizieren.

An die 100 Sänger ließen mit ihrer beeindruckenden chorischen Leistung die Zuhörer nach dem letzten imposanten Chorsatz vor Begeisterung förmlich aus den Kirchenbänken springen.

 

 

NOZ vom 25.09.2017 / NOZ online vom 24.09.2017

Herbstkonzert mit Klang- und Elfenzauber
des Orchesters Osnabrücker Musikfreunde

von Jan Kampmeier

Musik von Debussy und Bartholdy präsentierten die Osnabrücker Musikfreunde.
Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. In ihrem Herbstkonzert widmen sich die Osnabrücker Musikfreunde Musik von Debussy und Bartholdy.

Warm und weich klingen die gedämpften Streicher, darüber schwebt ganz entspannt die Solostimme des Englischhorns. Auch die Bläser klingen im Satz stimmig, und alles ist gut ausbalanciert. Das Orchester Osnabrücker Musikfreunde hat sich für sein Herbstkonzert der Herausforderung des impressionistischen Klangzaubers gestellt, tatsächlich erklingt mit Claude Debussys „Trois Nocturnes“ sogar eines der zentralen Orchesterwerke der französischen Moderne.

Dirigent Reinmar Neuner lässt den Klang allerdings keineswegs ins Diffuse verschwimmen, auch nicht im zarten ersten Satz, der dem Titel nach durch Wolken inspiriert ist. Das Tempo ist nicht zu langsam und der Klang eher nüchtern und klar. Auch im zweiten, in der Stimmung gänzlich anders gelagerten Satz werden immer neue Klangfacetten aufgefächert, allesamt klar konturiert und auf Hochglanz gebracht.

Verführerischer Gesang Als Spezialeffekt hat Debussy im dritten Satz einen Frauenchor vorgesehen, um verführerischen Gesang der Sirenen darzustellen. Widerstehen könnte man dem in diesem Fall kaum: Der Part bereitet dem von Stephan Lutermann einstudierten Frauenchor der Hochschule sowie den Damen des Vokalconsorts Osnabrück offenbar keine Schwierigkeiten, klangschön und sauber wird die Aufgabe bewältigt.

Ebenso mühelos gelingt den Sängerinnen ein weiterer kurzer Auftritt in Felix Mendelssohn Bartholdys Bühnenmusik zu Shakespeares Sommernachtstraum, in der zudem Mareike Schröder und Charlotte Isbaner als Elfen aus dem Chor heraus ihre Vorzüge als Solistinnen unter Beweis stellen. Die Musikfreunde spielen nämlich nicht nur die üblichen Sätze der Sommernachts-Suite, sondern fast die gesamte Bühnenmusik. Die stellt natürlich komplett andere Anforderungen als Debussys Partitur. Eine bekanntermaßen oft filigrane Struktur muss da mit großer Beweglichkeit umgesetzt werden.

Frischer Klang Bei den Musikfreunden ist auch das eine saubere Sache. Wiederum führt Reinmar Neuner sein Orchester schnörkellos geradeaus, das Orchester wartet dabei mit frischem und bei Bedarf kräftigem Klang auf. Die Musiker scheinen Spaß daran zu haben, und der vermittelt sich auch beim Zuhören.

 

 

NOZ vom 04.04.2017 / NOZ online vom 03.04.2017

Vielfältige Klangfarben
Frühjahrskonzert des Orchesters Osnabrücker Musikfreunde

von Jan Kampmeier

Mit viel Hingabe spielte das Orchester Osnabrücker Musikfreunde unter Leitung von Reinmar Neuner Schumanns Frühlingssinfonie.
Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Ein heiterer Schumann, ein düsterer Mahler, so bestritt das Orchester Osnabrücker Musikfreunde sein Frühjahrskonzert, unterstützt von den Solisten Rose Weissgerber und Marco Vassalli.

Schumanns erste Symphonie führt den Frühling sogar im Namen, doch vielleicht wären drinnen einige Zuhörer mehr gewesen, wenn nicht draußen der echte Frühling der Musik so starke Konkurrenz gemacht hätte. Reinmar Neuner dirigiert das Orchester inzwischen seit 20 Jahren, und das Konzert war daher auch als sein Jubiläum am Pult des Orchesters angelegt. In der Pause beschenken ihn die Musiker mit Rosen und sagen ihrem offenbar beliebten Leiter Dank.

Reife Leistung Und Reinmar Neuner ist als Dirigent trotz vorgerückten Alters agil wie eh und je und liefert mit seinen Musikfreunden auch nach 20 Jahren eine reife Leistung ab. Die Einleitung bei Schumann klingt gewichtig, frisch das Allegro. Scherzo und Finale kommen in etwas ruhigerer Gangart daher, aber immer sauber intoniert und musiziert vom Orchester, dessen Name „Musikfreunde“ sich wieder einmal als treffend erweist, weil die Musiker ganz offensichtlich mit Hingabe an die Musik bei der Sache sind. Im Zusammenspiel erreichen sie dabei nahezu professionelles Niveau, und das gilt auch für den Orchesterklang. Der ist diesmal recht üppig, denn das Orchester hat bei diesem Konzert eine beachtliche Größe, zehn Celli und fünf Kontrabässe sind da zum Beispiel besetzt.
Eine große Orchesterbesetzung erwartet man natürlich auch besonders bei einem Komponisten wie Gustav Mahler, allerdings spielen die Musikfreunde von ihm keine Symphonie, sondern die Wunderhorn-Lieder. Das Orchester bewältigt dabei die heikle Aufgabe, die enorm vielfältigen Klangfarben der Partitur in Szene zu setzen und sich gleichzeitig so stark zurückzunehmen, dass die Sänger zu hören sind. Die Inhalte der Lieder sind teilweise ausgesprochen düster, und Reinmar Neuner hat sich, da die Reihenfolge von Mahler nicht festgelegt ist, dazu entschieden, den Zyklus in trübster Stimmung zu beenden mit „Wo die schönen Trompeten blasen“. Dafür sind hier beide Gesangs-Solisten beteiligt, denn bei den Musikfreunden werden die Dialoglieder tatsächlich als solche aufgeführt und nicht von nur einem Sänger.

Sanfter Sopran Die junge Sängerin Rose Weissgerber interpretiert mit ihrem außerordentlich sanften Sopran besonders Lieder wie das zarte „Urlicht“ angenehm schlicht. Ihr männlicher Partner ist Marco Vassalli, als Solist inzwischen schon Stammgast der Musikfreunde, der wie immer mit großer Eleganz singt. Zwar sind die Texte im Programmheft abgedruckt, doch das braucht man kaum, denn bei beiden Sängern ist fast jedes Wort klar zu verstehen. Lediglich in den satirischen Liedern könnte die Gestaltung bissiger und frecher sein. Bei der Wiederholung von „Trost im Unglück“ als Zugabe deuten die beiden an, was in dieser Hinsicht möglich wäre.

 

 

Diepholzer Kreisblatt vom 04.04.2017

„Probe“ für das Heimspiel
Orchester Osnabrücker Musikfreunde vor 80 Zuhörern im Diepholzer Theater

von Simone Brauns-Bömermann

Das Orchester Osnabrücker Musikfreunde spielte am Samstag im Diepholzer Theater.
Foto: Brauns-Bömermann

Diepholz. Die heutige Generation tweetet und twittert, teilt und liked – alles zum Zweck der Gefühls- und Informationsweitergabe, mit dem Medium unserer Generation. Im Theater Diepholz wurde am Samstagabendvon dem Orchester Osnabrücker Musikfreunde auch getweetet und zwar von den Solisten RoseWeissgerber (Sopran) und Marco Vassalli (Bariton) und das romantisch.

Sie nutzten die Medien Stimme und Orchesterbegleitung, um die Botschaften der Romantiker Achim von Arnim und Clemens Brentano zur Vertonung von Gustav Mahler zu übermitteln. Und was zunächst für Teil zwei des Konzertes für heutige Verhältnisse eher langweilig klingt mit Überschrift Lieder aus „Des Knaben Wunderhorn“ wurde zum romantischen, tragischen Tweet über die Jahrhunderte gerettet und teils brandaktuell. 65 Musiker saßen rund 80 Gästen gegenüber und nahmen es sportlich: Sie verstanden das spärlich besuchte Konzert als super Generalprobe für ihr Konzert am Sonntag in der Osnabrückhalle, einem Heimspiel. Das Ensemble, dass fast jedes Jahr fest im Programm des Kulturring Diepholz war, war in diesem Jahr mit der Terminplanung hinterher. Die vorherigen Konzerte waren immer gut besucht: „Wir haben das Konzert als Zusatzveranstaltung in den Spielplan aufgenommen“, erläutert Werner Wessel vom Kulturring. Doch die Quantität an Besuchern sagte rein ganz nichts über die hohe Qualität des Orchesters aus.

Als Paukenschlag des Frühlings, als Auftakt der Kraft, aber auch der Wetter bedingten Rückschläge im Frühling gab es die „Frühlingssinfonie“ von Robert Schumann in vier Sätzen. Schumann schrieb sie im Jahr 1841 als erste Sinfonie auf Grundlage des Gedichtes von Adolf Böttger „Im Thale blüht der Frühling auf!“. Zartes flankiert Donnerhall, Tanz das Sprießen von Lust, Grün, Licht und Glück. Vitamin D für das Publikum am Abend.

Die Interpretationen der 13 Lieder aus „Des Knaben Wunderhorn“ der zwei geladenen Solisten rührte zu Tränen und die Entscheidung, zwischen den Liedern nicht zu applaudieren, erhöhte die Anspannung bis zum Schlussapplaus. Die Texte aus der Volkslied-Gedichtsammlung, die Mahler in extrem gefühlvoller Weise vertonte und akzentuierte, waren nichts anderes als das Aussprechen von damaligen sozialen, emotionalen, eben menschlichen Problemstellungen: Ganz vorn die Liebe, Krieg, Leid und Sterben, metaphorische Ansätze zur Gesellschaftserziehung und Natur. Es sei nur erinnert an die Stichworte zur Romantik: Epoche der Gefühle, Flucht aus der Wirklichkeit, Rheinromantik und Zulassen eines Seelen-Lebens. Clemens Brentano und Achim von Arnim gaben zu Beginn des 19. Jahrhunderts das Volksliederbuch heraus und retteten einen Schatz aus mehreren Jahrhunderten von lyrischer Dichtung über Verskunst, Abzählreim bis zum Liebeslied, zur Ballade und Volksglauben. Das Bild des Füllhorns als Instrument des Labs musischer, kulinarischer und geistiger Nahrung war den Menschen im 19. Jahrhundert bekannt wie heute der Input über Internet, Soziale Netzwerkseiten, Blogs und Chats. Die von Mahler vertonten Verse wirkten auf das Publikum wie bildhafte Musik ohne Hinzunahme der Augen.

Im Wechsel oder solistisch, je nach Thema, ergriffen die beiden Solisten die Herzen und Seelen der Zuhörer gleich mit. Ein Genre erlebte eine Renaissance, die als Feuilleton im Theater beschrieben werden kann. Nach den dreizehn Liedern hatte sich so ein „Ich muss jetzt die Spannung über meine Freude über das Gehörte entladen, sprich applaudieren, Bravo rufen und Freudenpfiffe gen Bühne senden“ aufgebaut, als der Applaussturm losbrach. Ein Sturm, der niemals die 80 Gäste ahnen, vielmehr 200 schätzen ließ. Endlich galt Sprache wieder mehr als verkürzte Sätze, verkürzter Sinn und Stenografie-Stil der Zeit geschuldet. Erlaubt waren in den Liedern Metapher, Synonym, Motive und Symbole. Die galt es aus unserer Zeit zu erkennen. Dass „Sein Haus, sein Haus von grünem Rasen, wo die schönen Trompeten blasen“, das Schlachtfeld war, stimmte nicht so frühlingshaft. Aber die Kriege fand und finden zu allen Jahreszeiten statt. In der Romantik wurde die Todesnachricht des Liebsten übermittelt, Linkin Park macht es heute ebenso im Song „Castle Of Glass“.

 

NOZ vom 22.11.2016 / NOZ online vom 21.11.2016

Osnabrücker Musikfreunde Weicher Orchesterklang beim Herbstkonzert

von Jan Kampmeier

Osnabrück. Das Orchester Osnabrücker Musikfreunde bestritt sein Herbstkonzert mit Janáček, Sibelius und Tschaikowskij. Solist war Michal Majersky.
Es geht etwas verhalten los, Leoš Janáceks Adagio für Orchester ist kein sonderlich schmissiges Werk und insofern ein ungewöhnliches Eröffnungsstück. Dafür präsentiert das Orchester Osnabrücker Musikfreunde bei seinem Herbstkonzert in der Osnabrück-Halle sofort eine seiner Stärken: einen sehr weichen und sanften Klang. Wenn auch in der Folge die Stimmung umschlägt, drohende und heitere Abschnitte folgen und auch das Blech mal einen Einsatz schmettern darf, so bleibt die Wirkung doch gedeckt, so dass sich auch das klagende Englischhorn mit einem Solo gut einfügt.

Solist Michal Majersky. Foto: Egmont Seiler

In dieser gedeckten Stimmung beginnt auch Tschaikowskij sein Violinkonzert, doch freilich bleibt er dort nicht lange. Als Solist setzt alsbald Michal Majersky ein, Konzertmeister der professionellen Orchesterkollegen vom Osnabrücker Symphonieorchester. Er gestaltet seinen Part vielseitig: Bald virtuos geläufig, bald leicht und tänzelnd, bald beseelt singend, mit warm strahlendem Ton, aber ohne Pathos – und immer wieder mit quasi erzählerischem Tonfall. Besonders gut allerdings trifft er die verträumte Stimmung des langsamen Satzes, wobei er zwischendurch noch sehr schön aus dem Orchester mit kleinen Einwürfen von Klarinette und Flöte flankiert wird.
Dirigent Reinmar Neuner hat die Koordination von Solist und Orchester im Griff. Das Zusammenspiel läuft rund, die Stimmgruppen sind gut ausgewogen, und auch der Solist erhält immer gebührend akustischen Raum zur Entfaltung. Seine Gestaltung wird von den Musikfreunden aufgegriffen, die Majersky gut zuhören und Neuner aufmerksam folgen. Nur an einigen Tuttistellen erweist sich der Apparat als zu schwerfällig und bereitet dem Dirigenten Mühe.

Auch bei Tschaikowskij bleibt das Orchester seinem weichen Klang treu. Dass den Streichern im Finale ein klein wenig Biss fehlt, mag zumindest teilweise an der akustisch nach wie vor problematischen Osnabrückhalle liegen. Die Musikfreunde, die sich als Laienorchester häufig große Kracher vornehmen wie eben Tschaikowskijs Violinkonzert, haben diesmal neben Janácek noch eine weitere Rarität auf das Programm gesetzt, denn die Werke von Jean Sibelius sind, außer einigen Hits natürlich, im Konzert eher selten.

Seine fünfte Symphonie ist, passend zum „Herbstkonzert“ des Orchesters, ein klanglich herbes, raues Stück, in weiten Teilen ganz bewusst eher matt als strahlend. Hier klingt es besonders verhangen, weil Reinmar Neuner den ersten Satz sehr ruhig nimmt. Am besten gelingt der Spannungsbogen im Finale, das auch am besten zum Klingen kommt, getragen vom sogenannten Schwanenthema. Das wandert durch die Instrumentengruppen. Erklingt es majestätisch in den Hörnern, entfaltet das Holz darüber zarte Klänge; liegt es schließlich, drohend grundiert, in den Trompeten, zaubern die Streicher weiche Klänge dagegen.

 

 

NOZ vom 21.11.2016 / NOZ online vom 20.11.2016

Orchesterkonzert in der Kirche Große Töne in der Bramscher Gartenstadt

von Irina Doelitzsch-Kaufmann

Bramsche. In der Heilig-Geist-Kirche in der Bramscher Gartenstadt wurde am Samstagabend den Konzertbesuchern die Ehre zuteil, das Orchester der Osnabrücker Musikfreunde genießen zu können. Dieses Projektorchester erarbeitet an mehreren Wochenenden ein Programm für zwei Konzerte pro Jahr. Im Gepäck hatten sie diesmal höchst unterschiedliche Werke: von lieblich über schwermütig bis spröde.
Kraftvoll eröffnet der Dirigent Reinmar Neuner den Abend mit Leoš Janáčeks Adagio für Orchester, dessen Kompositionszweck unklar ist. Ist es ein Teil eines größeren Werkes oder eines Zyklus‘? Waren weitere Sätze geplant?
Tiefe Schwermut drückt der Adagiosatz aus, dessen Grundtonart d-Moll dies noch unterstreicht. Volltönend, ohne aufdringlich zu sein, präsentiert sich der Blechbläsersatz gleich zu Beginn des Abends.

Nur etwa 25 Jahre liegen zwischen Janáčeks Adagio und Jean Sibelius‘ Sinfonie Nr. 5 op. 82, deren verschiedene Fassungen er zwischen 1915 und 1919 komponierte, dennoch trennen harmonisch und klanglich Welten diese beiden Stücke. Während Janáčeks Adagio schwermütig, aber klangvoll erscheint, präsentiert Sibelius eine Sinfonie voller Schroffheit und spröder Klänge, die einem den Zugang beim ersten Hören kaum ermöglicht. Mühe hatten auch die Musiker , sich dieses Werk zu erschließen, wie sie gestanden, aber zu hören war das keineswegs. Mit fester Hand und äußerst präzise zeigt Neuner seine Interpretationswünsche an, die Musiker folgen scheinbar mühelos. Steigerungen in Temperament und Dynamik setzt das Orchester wie gewünscht um.
Wie gut, dass zwischen trübsinnig und spröde Peter Tschaikowskis Konzert op. 35 für Violine und Orchester stand. Welch herrlicher, warmer Kontrast, welch Lichtblick. Wie gut auch, dass das Orchester der Osnabrücker Musikfreunde einen so virtuosen Solisten wie Michal Majersky gewinnen konnte, galt das Werk bei seiner Entstehung doch als unspielbar – der von Tschaikowski vorgesehene Solist hatte abgelehnt. Majersky, der 26 Jahre junge Slowake, scheint die Unspielbarkeit schlichtweg zu ignorieren. Kräftig und warm ist sein Geigenklang, und mit großer Souveränität meistert er die Tücken dieses Konzerts. Tonhöhen, die für das menschliche Ohr kaum mehr wahrnehmbar sind und insofern nur als technische Herausforderung verstanden werden können, schreibt Tschaikowski in die Partitur – kein Wunder, dass das Stück als zu schwer galt und von den Musikkritikern seiner Zeit abgelehnt wurde.

Majerskys Spiel ist so voller Emphase, dass man kleinere Ungenauigkeiten in den Sechzehntelläufen gern verzeiht. Der Solist und die Osnabrücker Musikfreunde harmonieren prachtvoll. Wie beim Staffellauf wechseln die Themen zwischen beiden hin und her und jedes Mal scheint sich das spielerische Feuer noch zu verstärken. Das Orchester begleitet einfühlsam, fast zu dezent. Majersky dominiert deutlich, das Orchester hätte sich zu seiner Unterstützung nicht so sehr zurückhalten müssen.
Neuner ist so in seinem Elan, dass ein Hüpfer auf seinem Podest nicht ausbleibt. Man ist versucht zu rufen: „Das war Spitze“. Bleibt nur zu hoffen, dass die Aufführung in Osnabrück mindestens ebenso gut wird.

Ihr ganzes Können stellten die Musiker der Osnabrücker Musikfreunde beim Konzert in der Heilig-Geist-Kirche unter Beweis.
Foto: Irina Doelitzsch-Kaufmann

 

 

NOZ vom 6.6.2016 / NOZ online vom 5.6.2016

Dreißig Jahre Osnabrücker Musikfreunde

von Thomas Hitzemann

Hagen a.T.W. Das Orchester Osnabrücker Musikfreunde zeigt sich nach 30 Jahren musikalisch unternehmungslustig wie eh und je. In der Alten Kirche von Hagen a.T.W. erklingt ein Konzert mit Sinn für Tradition und Innovation.

Voller Experimentierlust beginnt der Abend mit George Gershwins sinfonischer Fantasie „Ein Amerikaner in Paris“. Kurzmotive, die laufend zwischen den Instrumentengruppen umherspringen, schaffen eine typische Großstadtatmosphäre, in der Besucher einer ständigen Reizüberflutung ausgesetzt sind.

Sehnsucht nach Amerika

Musikalisch lassen sich diese Motive aber auch als aufsteigende Bläschen in einem Sektglas deuten, mit dem das Orchester auf sein Jubiläum anzustoßen scheint. Nur wenige Momente kommt das quicklebendige Werk zur Ruhe, dann, wenn ein Charleston zitiert wird, um etwas Sehnsucht nach Amerika zu zeigen.

Mit dem Hauptwerk des Konzertes haben die Musikfreunde eine sehr gute Wahl getroffen: Die Sinfonie Nr. 9 e-Moll ( op. 95) „Aus der Neuen Welt“ von Antonin Dvorak. Es ist ein Schwergewicht im sinfonischen Ring und dennoch Jedermann zugänglich. Die ganze Aufführung hindurch kann sich das Orchester sowohl als homogener Klangkörper präsentieren, als auch mit bekannten Melodien solistisch die Zuhörer bezaubern. Das Largo verwöhnt mit seidigen Klängen. Transparent überzeugt die Polyrhythmik im Scherzo. Triumphal bei den Signalmotiven, jedoch mitreißend in seiner thematischen Entwicklung, zieht das Allego con fuoco vorüber.

Vorbildlicher Schwung

Dirigent Reinmar Neuner hält das Orchester vorbildlich in Schwung. Er ist seinen Instrumentalisten geistig stets einen Takt voraus. Schließlich haben die Musikfreunde noch eine besondere Überraschung fürs Publikum parat, das „Stepptanz Konzert“ von Morton Gould in vier Sätzen. Zu dieser recht unterhaltsamen Musik agiert ein leibhaftiger Stepptänzer gut sichtbar vor dem Orchester. Gegenüber der Percussion auf Schlaginstrumenten, hat das virtuose Klappern von Sohlen und Hacken auf Holzdielen nur den Nachteil einer immer gleichen Klangfarbe. Auf jeden Fall aber zeigt Tänzer Bernd Paffrath eine schier unglaubliche Kondition und Beinbeherrschung.

Jubiläumskonzert mit Stepptänzer: Orchester Osnabrücker Musikfreunde mit Bernd Paffrath. Foto: Thomas Osterfeld

 

 

NOZ vom 3.6.2016 / NOZ online vom 2.6.2016

"Wir haben uns an einiges gewagt"

Das Orchester Osnabrücker Musikfreunde feiert Geburtstag - und dreißigjährigen Erfolg


Foto: Thomas Osterfeld

An diesem Wochenende feiert das Orchester Osnabrücker Musikfreunde sein 30-jähriges Bestehen. Ein guter Grund, sich mit einem altgedienten Musiker und einer jungen Kollegin zu unterhalten.

von Ralf Döring

OSNABRÜCK. Beethoven, Schubert, Brahms. Strawinsky, Britten, Schostakowitsch. Dvorak. Mendelssohn. Strauss: Die Programme des Orchester Osnabrücker Musikfreunde (OOM) unterscheiden sich nicht wesentlich von denen der Profis vom Osnabrücker Symphonieorchester. Trotz aller skeptischen Fragen, denen sich Laien in unserer perfektionierten Welt ausgesetzt sehen, oder gerade deswegen, sagt Harald Siegers lapidar, „wir haben uns an einiges gewagt“. Er lächelt dabei, wohl wissend um den Lohn, den das Orchester für seinen Mut eingefahren hat: Volle Häuser, begeistertes Publikum. Und natürlich, ganz eigennützig, die Freude am Musizieren.

Zur Geburstagsparty ein bisschen Stepptanz

Dreißig Jahre liegt die Gründung des Laienorchesters nun zurück; am Wochenende gibt es je ein Jubiläumskonzert in der Ehemaligen Kirche in Hagen und in der Aula der Hochschule. In der Mitte des Programms steht dabei ein Werk, das wie eine schillernde Pointe heraussticht: Das Tapdance Concerto von Morton Gould. „Dvoraks Sinfonie ,Aus der Neuen Welt‘ war schon gesetzt“, sagt Nadja Hekal, „dann hatte einer die Idee zu diesem Stück.“ Der Solist Bernd Paffrath hatte Zeit, der Youtube-Clip bestätigte das Votum –so kam Morton Gould aufs Programm. Die Brücke zur Dvorák-Sinfonie, von hoher, ernster Kunst gewissermaßen, zum Stepptanz schlägt schließlich George Gershwins „Amerikaner in Paris“. Eine pfiffige Kombination, die auch einem Profiorchester gut stehen würde. Beim OOM markiert sie einen Generationenwechsel, von Siegers zu Hekal.

Generationenwechsel in der aktiven Lebenszeit

Geradezu staatstragend nahm sich das erste OOM-Programm aus: Die Egmont-Ouvertüre und das Violinkonzert von Ludwig van Beethoven sowie die siebte Sinfonie von Franz Schubert standen am 4. Mai in Bersenbrück und am 10. Mai in der Osnabrückhalle – die damals noch schlicht Stadthalle hieß – auf dem Programm. Doch das entsprach dem Gründergeist. „Es muss doch möglich sein, ein sinfonisches Laienorchester zu Gründen“, sagten sich damals Harald Siegers und Dieter Niemczyk, sprachen und taten es. Der Wunsch: Nicht nur Kammermusik, sondern auch mal die große Orchesterliteratur zu spielen. Bis heute nehmen sie ihren Platz bei den Musikfreunden ein. Nur den Vorsitz des Orchesters mit all der Organisationsarbeit haben sie abgegeben. „Wir wollten den Generationenwechsel zu unseren aktiven Lebzeiten vollziehen“, sagt Siegers, mit Betonung auf „aktiv“.

Siegers und Hekal pflegen einen selbstverständlichen Ton, wie unter guten Bekannten. Gleichzeitig spürt man das Vertrauen, das Siegers seiner jungen Orchesterkollegin entgegenbringt. „Alle sind für alles da“, sagt Hekal. So lässt sich ein Kollektiv aus 65 Musikerinnen und Musikern zusammenhalten.

Dass das über die Jahrzehnte so gut funktioniert hat, hängt an einer weiteren Person: Auf Reinmar Neuner, der seit knapp 20 Jahren das Orchester dirigiert. „Im Motivieren ist Neuner groß, da sind sich alle Musikfreunde einig“, schrieb die „Neue OZ“ 2004; da bereitete sich das Orchester gerade auf die Endrunde des Deutschen Orchesterwettbewerbs vor. Den Sieg auf Landesebene hatten das Orchester da schon in der Tasche; auf Bundesebene hat es zumindest für eine Urkunde gereicht, die „guten Erfolg“ bescheinigt.

Ein weitaus wichtigerer Erfolg ist indes die Kontinuität, mit der sich das Orchester seit dreißig Jahren behauptet. „Es ist bei uns nicht wie bei den Männerchören“, sagt Siegers, „wir sind nicht dieselben wie zu Beginn, nur dreißig Jahre älter. Wir haben viele junge Musiker.“ Nachwuchsmangel? Wer etwa mit der Posaune ankommt, um mitzuspielen, findet seinen Platz nicht auf einem Orchesterstuhl, sondern auf der Warteliste. So haben Siegers, Niemczyk und deren Vorstandskollegen das Orchester liebevoll gepflegt und einen Kulturmotor übergeben, der schnurrt wie am ersten Tag. Doch Hekal weiß, dass das nur eine Momentaufnahme ist. Marketing und Internetauftritt sollen moderner werden, das Ticketing auch. Außerdem denkt sie über die Soziostruktur des Orchesters nacht: Derzeit spielen in erster Linie Akademiker; das muss nicht so bleiben, findet die Geigerin. Doch das ist Zukunftsmusik.

 

 

NOZ vom 15.11.2015

Cantus firmus brillieren

Cherubini-Requiem strahlt hoffnungsvoll in Dissen

von Frank Muscheid

Dissen. Diese Musik nimmt mit auf eine emotionale Berg- und Talfahrt, fängt und trägt einen bis zum finalen Paradiesversprechen: Mit den „Chor-, Orgel- und Orchesterwerken zum Ende des Kirchenjahres von Luigi Cherubini und Johannes Brahms“ haben der GMHütter Kammerchor Cantus firmus und das Orchester Osnabrücker Musikfreunde unter der Leitung von Stefan Bruhn am Samstag in Dissen brilliert. In der St. Mauritius-Kirche applaudierten mehr als 80 Zuhörer minutenlang für ein starkes Stück klassischer Musik, das sich am Sonntag in der Oeseder König-Christus-Kirche wiederholte.
Mit beeindruckender Klarheit, Kraft und Intensität setzten Orchester und Chor live teils selten Gehörtes in Szene. Der „Begräbnisgesang opus 13“ von 1858 ist ein Frühwerk Johannes Brahms, das textlich wie musikalisch die Gewissheit des Todes und den Glauben an das ewige Leben thematisiert. Es zeugt von der Angst des Menschen vor dem Tod, aber auch von seiner schöpferischen Kraft und seinem Lebenswillen. Düstere, schwere Passagen lassen die emphatischen Dur-Momente umso heller leuchten. Und doch hielt sich dieses Werk noch vornehm zurück. Auch mit Brahms Choralvorspiel und Fuge für Orgel „O Traurigkeit, o Herzeleid“ von 1856 bereitete Stefan Bruhn an der Orgel einen ruhigen, geradezu kontemplativen Boden für die majestätische Wucht, mit der sich dann Cherubinis drei Werke entfalten sollten.

Dramatik und Innenschau

Der 1760 in Florenz geborene Luigi Cherubini ließ sich 1787 in Paris nieder, brachte es bis zum Direktor des Konservatoriums und prägte nahezu alle französischen Komponisten dieser Zeit. Das „Requiem in c-moll“ anlässlich der Trauerfeier für das Revolutionsopfer Ludwig XVI beeindruckte auch Beethoven, Schumann und Brahms. Auf der Suche nach spätklassischen und frühromantischen Werken für den Chor hörte Kantor Stefan Bruhn „Marche funèbre“, „Requiem“ und „In Paradisum“ auf einer CD kombiniert.
„Auf die Idee, dieses Konzert mit zwei Frühwerken von Brahms zu kombinieren kam ich, als ich las, dass dieser das Cherubini-Requiem außerordentlich schätzte.“ Dunkel, wuchtig, mit auseinanderdriftenden tiefen Streichern, Tamtam-Schlägen und Paukenwirbel, aus deren „Schockstarre“ stets ein orchestrales Echo erlöste, ließen Chor und Orchester im „Marche funèbre“ die einschneidende Dramatik des Todes spüren.
Das folgende „Requiem“ war reich an dramatischen, erhabenen Momenten, aber nie pathetisch, sondern saugte die Zuhörer in ihre eigene Gedankenwelt. Teils sparsam, aber umso wirkungsvoller eingesetzte Instrumentierungen mündeten in aufbrausende Chorpassagen und emotionale Befreiungsschläge, in denen Sänger und Musiker geballt betörten.

Hoffnung auf Frieden

Wo einen das „Requiem“ noch mit einem düsteren „Agnus Dei“ zurücklässt, verspricht „In Paradisum“ von 1820 nahezu heiter die Freuden des Paradieses. „Ins Paradies mögen Engel dich geleiten“, heißt es da. Auch hier gingen Osnabrücker Musikfreunde und Georgsmarienhütter Chor scheinbar leicht Hand in Hand.

Dabei gab es, erklärte Bruhn, nach knapp einem Jahr Chorprobe nur eine Generalprobe mit allen Mitwirkenden. Gewidmet war der Abend den Opfern und Betroffenen des Terrors von Paris, der Entsetzen und Trauer ausgelöst habe, sagte Friedrich Ferié vom Kammerchor. Die Werte Europas seien „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit – wir glauben daran.“ Die „unfassbaren Ereignisse ändern unser Gefühl im Musizieren, Singen und Hören“.

Düster strahlend und kraftvoll setzten Cantus firmus und Osnabrücker Musikfreunde die Werke von Cherubini und Brahms um.
Foto: Frank Muscheid

 

 

Kreiszeitung Ausgabe Diepholz vom 21.10.2015

Erschütternd und ergreifend

Orchester Osnabrücker Musikfreunde begeistert im Diepholzer Theater

von Simone Brauns-Bömermann

DIEPHOLZ. Der dritte Preis in der Endrunde des Deutschen Orchesterwettbewerbs für nicht professionelle Orchester vor zehn Jahren ist heute mehr als gerechtfertigt, vielleicht wäre es heute sogar Platz eins. Was das Orchester Osnabrücker Musikfreunde unter der Leitung des langjährigen Dirigenten Reinmar Neuner etwa 130 Zuhörern im Diepholzer Theater präsentierte, war ein Konzert für Bravo-Rufe.

Das Orchester gründete sich aus Menschen aller Professionen, die gerne musizieren. Von Beginn an wirkten in ihm auch junge Instrumentalisten mit, Schüler und Studenten, um einen praktischen Zugang zur sinfonischen Musik zu erhalten.

Mit ihrer Auswahl für das aktuelle Herbstkonzert landeten die Musiker in Diepholz einen Volltreffer. Langjährige Fans und „Neulinge“ beim Zuhören waren sich nach dem Konzert einig: „Das war Spitze und nächstes Mal kommen sicher viel mehr Besucher, um die Brillanz nicht zu verpassen“.

Das diesjährige Motto war: „Nur jene Musik vermag zu rühren, erschüttern und zu ergreifen, die aus der Tiefe der durch Inspiration erregten Seele des Künstlers fließt“ (Zitat von Peter Iljitsch Tschaikowski 1878). Zu ergänzen wäre, dass die Zuhörer diese Erschütterung, Rührung und Ergriffenheit spürten.

Was mit Dimitri Schostakowitschs Marsch aus der„Suite für Varieté-Orchester“ robust russisch begann, endete im Nichts mit dem vierten Satz „Finale. Adagio lamentoso – Andante“ aus Peter Iljitsch Tschaikowskis„Sinfonie Nr. 6 „Pathetique“. Es dauerte einige Sekunden, bis sich der donnernde Applaus in Diepholz einstellte – mit stehenden Ovationen und dem Ruf „Zugabe“.

Dazwischen ein musikalisches Zitat von Komponist Jacques Ibert, das Konzert für Flöte und Orchester. Alja Velkaverh verzaubert als Querflötensolistin mit Kraft und Zärtlichkeit, Schmerz und Versöhnung, technisch virtuos und versiert. Wäre ihr Kleid nicht so prachtvoll und lang gewesen, wäre sie gern in den lebendigen Sequenzen mitgehüpft, gesprungen, gelaufen. Lang musste das Publikum der Solistin nicht auf die Zugabe noch vor der Pause warten, denn nach der Pause saß sie schon in „zivil“ im Publikum und lauschte dem Werk von Tschaikowski.

Für die Zugabe wählte sie sanftes für Flöte von Debussy. Jacques Ibert schrieb sein Flötenkonzert 1934. Seine Musik spiegelt Fantasie und Vorstellungskraft. Viele Passagen hören sich an, als wenn die Welt aus den Fugen gerät, fast kosmisch.

Das Flötenkonzert war für die Solistin, das Orchester und die Zuhörer eine Herausforderung mit unglaublichem Mehrwert. Ein Sprung zwischen Sphären, lyrisch, farbig, Oasen der Ruhe und dann wieder martialisch.

Die Pause war bewusst gewählt, bevor die pathetische Sinfonie von Tschaikowski sich entfaltete. Wie Stromschnellen eines Lebens, mit Prallhängen, Leidenschaft, Ekstase, Bedrohung, Macht, flirrend, hektisch, spitz, um dann zu schlurfen wie bei einer Totenmesse, niedergedrückt von des Welt Schmerz.

Das Orchester Osnabrücker Musikfreunde ist wie ein Räderwerk der feinsten Industrialisierung.

Ein wenig lässt das Werk, das Tschaikowski kurz vor seinen dubiosen Tod noch einmal dirigierte, den Schluss zu: „Richtig klagen, kann nur ein Orchester“. So endet es dann auch: Im leisesten zu spielenden h-Moll, das absolute Ruhe und Luft anhalten erbittet.

Konzert der Spitzenklasse im Diepholzer Theater: Das Orchester der Osnabrücker Musikfreunde mit Alja Velkaverth als Querflötensolistin.
Foto: Brauns-Bömermann

 

 

NOZ vom 1. Juni 2015

Krönungsmusik mit Marienkantorei und Derby-Chor

von Mathias Liedtke

OSNABRÜCK . Dem gewaltigen Thema Krönungsmusik widmete sich am Samstagabend ein Konzert in der gut besuchten Marienkirche. Marienkantorei und der Chor Derby Choral Union aus Osnabrücks Partnerstadt Derby musizierten unter Leitung von Carsten Zündorf.

Gekrönt wurde die ambitionierte Aufführung der 1948 gegründeten, rund 60-köpfigen Marienkantorei unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Carsten Zündorf durch das stimmkräftige Mitwirken des befreundeten, von Musical Director Richard Dacey seit September 2003 geleiteten englischen Chores Derby Choral Union. Anlass waren die städtepartnerschaftliche Verbundenheit mit Osnabrück und das 150-jährige Bestehen des Chores aus Derby.

Nach der gemeinsamen Intonation von Johannes Brahms’ Deutschem Requiem im November vergangenen Jahres in Derby standen beim jetzigen Gegenbesuch Auszüge aus verschiedenen Werken auf dem Programm, die auch dem englischen Königshaus als Inthronisationsmusik dienen. (Im Herz tief berührt: Lukas-Passion in St. Marien)

Dabei wurden die Conoration Anthems, deren erstes Motiv sich in der heutigen Uefa-Champions-League-Hymne wiederfindet, 1727 von Georg Friedrich Händel für die Krönungszeremonie von König George II. komponiert, dessen Vorgänger George I. im selben Jahr in Osnabrück verstarb.
Neben diesem lokalen Bezug wurde auch die Potenzierung der Stimmgewalt auf mehr als 100 Kehlen und die Akustik in St. Marien der bombastischen Thematik gerecht.

Das romantische Intende Voci von Franz Schubert aus dessen letztem Schaffensjahr 1828 geriet dabei zu einem viertelstündigen Intermezzo, in dem Tenor Stefan Sbonnik, unterstützt von der Solo-Oboe, tapfer gegen die Chöre und das mitunter dramatisch aufspielende, von Streichern dominierte Orchester Osnabrücker Musikfreunde ansang, das, 1986 gegründet, erstmals ein Konzert der Marienkantorei begleitete.

Gleich vier Solisten mit ungleich mehr Freiräumen glänzten dagegen in Mozarts sechsteiliger Krönungsmesse von 1779, die sich erst im Laufe des 19. Jahrhunderts nicht ohne Grund als Krönungsmusik etabliert hat. Die satte Instrumentierung korrespondierte ausgewogen mit den Solo-Stimmen des Tenors, des Bass-Sängers Achim Hoffmann sowie der Sopranistin Nora Hagen und der Altistin Cornelia Orendi. Der Schlussapplaus in der Marienkirche fiel entsprechend mehr als wohlwollend aus.

Großes Aufgebot mit Gästen aus England: Marienkantorei und Derby Choral Union in der Marienkirche.
Foto: Elvira Parton

 

 

NOZ vom 12. Mai 2015

Musikalische Dankbarkeit

70 Jahre nach Kriegsende: Großes Friedenskonzert in der Osnabrück-Halle

von Thomas Hitzemann

OSNABRÜCK. Das Orchester der Osnabrücker Musikfreunde, die Osnabrücker Vocalvielharmonie und die Bramscher Kantorei St. Martin haben mit ihrem gemeinsamen Friedenskonzert zum 70. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges dieses Datum künstlerisch angemessen gewürdigt.
Beide Chöre probten getrennt unter Holger Dolkemeyer und Eva Gronemann. In der Osnabrück-Halle traten sie dann gemeinsam auf, unterstützt von den Musikfreunden unter der Gesamtleitung von Reinmar Neuner.

Den Anfang macht das zeitgenössische „Dona nobis pacem“ des lettischen Komponisten Peteris Vasks. Der weich singende Mammutchor wird mit dezenten Dissonanzen vom Orchester begleitet. Ihr gemeinsames An- und Abschwellen im runden Klang bekräftigt die Sehnsucht nach Frieden.

Dennoch erscheint die Bitte musikalisch eher leidgeprüft ausgedrückt als vehement gefordert. Frank Martin hat bei seinem großen Oratorium „In terra pax“, komponiert Ende 1944, offenbar die Trümmerfelder des ausgehenden Weltkrieges direkt vor Augen. Er tröstet mit seinem Werk, aber er verspricht nichts. Der Text ist ausschließlich biblisch, die Tonsprache melancholisch und ergreifend.

Im ersten Teil verbreiten dunkle Bläserklänge und das bedrohliche Tamtam ein statisches Pathos. Bariton Marco Vassalis singt vom Zorn Gottes, der das Leid des Krieges hervorgerufen hat. Göttliches Verzeihen und Hoffnung auf Frieden äußern sich im zweiten Teil. Das Orchester begleitet den Chor und die übrigen Solisten Karen Fergeson (Sopran), Francisco Almanza (Tenor) und Silvio Heil (Bass) nun in helleren Klangfarben. Der dritte Teil stellt die Bedeutung Christi für alle Völker der Erde in den Mittelpunkt.

Eine tröstende Altarie, gesungen von Katrin Jansen-Oolo, wird vom Orchester meditativ begleitet. Im vierten Teil unterwirft sich der Mensch ganz dem Willen Gottes und übernimmt keine Verantwortung mehr für die Zukunft.

Das tonlich statische Pathos des Anfangs kehrt expressiv gesteigert zurück. Wesentlich hoffnungsvoller wirkt dagegen die Sinfonie in d-Moll von César Franck. Da zeigt das Orchester, was in ihm steckt, und Dirigent Neuner hat die Partitur bewundernswert sicher im Kopf.

Der erste Satz klingt zunächst nach Ruhe vor dem Sturm, der dann aber gehörig losbricht, im Tutti von den Blechbläsern gekrönt. Der zweite Satz atmet Frieden. Unter Harfenakkorden und Streicherpizzicato ertönen pastorale Soli von Oboe und Horn.

Der dritte Satz bringt nur kurze Passagen in Moll. Alle darin wiederkehrenden Themen aus der Sinfonie sind jetzt zum Dur gewendet. Sie wirken wie glückliche Heimkehrer nach einer gefahrvollen Reise.

Der ganze Satz strahlt vor Heiterkeit. So klingt sie, die Dankbarkeit für 70 Jahre Frieden!

Beeindruckend: die Osnabrücker Vocalvielharmonie, die Bramscher Kantorei St. Martin und das Orchester der Osnabrücker Musikfreunde.
Foto: Egmont Seiler

 

NOZ vom 20. Oktober 2014

Stürmische Klänge für trübe Tage

Herbstkonzert des Orchesters Osnabrücker Musikfreunde in der Alten Kirche in Hagen

von Danica Pieper

HAGEN. Auch wenn es ein Herbstkonzert war – von Melancholie war bei dem Auftritt der Osnabrücker Musikfreunde in Hagen wenig zu spüren. Für ihr jährliches Gastspiel in der Alten Kirche hatte das Orchester unter der Leitung von Reinmar Neuner drei mitreißende Werke von Brahms, Mozart und Beethoven ausgewählt, mit denen es die etwa 100 Gäste restlos begeisterte.

Das Herbstkonzert des Orchesters Osnabrücker Musikfreunde in der Alten Kirche ist seit Jahren ein fester Bestandteil des Hagener Musikkalenders. Während die Musiker in der Vergangenheit schon einmal weniger bekannte Werke darboten, widmeten sie sich diesmal mit Brahms, Mozart und Beethoven drei der bedeutendsten Komponisten überhaupt.

Den Auftakt machten Brahms „Variationen über ein Thema von Haydn“ aus dem Jahr 1873. Ob das besagte Thema tatsächlich von Haydn stammt, ist umstritten, dem Einfallsreichtum des Komponisten tat dies jedoch keinen Abbruch: Gleich acht Variationen verfasste Brahms über die Passage aus dem, „St.-Antoni-Choral“. Das Laienensemble verstand es dabei meisterhaft, den jeweiligen Charakter der verschiedenen Variationen herauszuarbeiten, egal ob lebhaft oder lieblich, ernst oder heiter, tänzerisch oder energisch.

Für Mozarts Konzert für Klavier und Orchester erhielten die Musikfreunde Unterstützung von Pianistin Leonore Gäbel. Mit viel Verve boten Gäbel und das Orchester den ernsthaften, teils dramatischen ersten Satz dar, während das Larghetto eher verträumt, fast schon zart daherkam. Höhepunkt war jedoch der dritte Satz mit seinen verschiedenen Variationen, bei dem Gäbel nicht nur durch technische Virtuosität, sondern vor allem durch ihre große emotionale Tiefe beeindrucken konnte, die das Orchesterperfekt ergänzte'.

Frenetischer Applaus
Zum Abschluss wurde es noch einmal besonders temperamentvoll: Mit Beethovens vierter Sinfonie hatten die Musikfreunde ein euphorisches, selbst in den ruhigeren Sätzen noch überschwängliches Werk ausgesucht, das sie mit reichlich Enthusiasmus darboten. Bei so viel Leidenschaft verlor auch das Publikum jegliche Zurückhaltung und spendierte minutenlangen, frenetischen Applaus.

Gemeinsam mit Pianistin Leonore Gäbel begeisterte das Orchester Osnabrücker Musikfreunde das Publikum in der Alten Kirche in Hagen.
Foto: Danica Pieper

 

 

NOZ vom 20./21. Oktober 2014

Überzeugende Auftritte

Herbstkonzert der Osnabrücker Musikfreunde

von Ullrich Schellhaas

OSNABRÜCK.    Zweimal spielte das Orchester Osnabrücker Musikfreunde sein diesjähriges Herbstkonzert. In die Alte Kirche in Hagen kamen dazu etwa 70 Gäste, die Bonnuskirche in Osnabrück war mit rund 350 Besuchern deutlich besser gefüllt.

Dabei bietet der dreieckige Bau in Osnabrück eigentlich die schwierigeren akustischen Bedingungen. Nahezu komplett mit Holz ausgekleidet, ist der Klang hier fast so trocken wie in einem Tonstudio. Einen runden orchestralen Klangkörper zu erzeugen ist somit besonders schwer, und auch kleinste Patzer hinsichtlich der Lautstärke einzelner Abteilungen neigen schnell dazu, das Gesamtbild zu trüben.

Insgesamt, so muss aber festgestellt werden, meisterte das mit rund 60 Instrumenten nicht eben klein besetzte Orchester die schwierigen Bedingungen souverän. Unter dem Dirigat von Reinmar Neuner überzeugte der Klangkörper mit Werken von Johannes Brahms ebenso wie von Wolfgang Amadeus Mozart und von Ludwig van Beethoven.

Akzentuiert und präzise folgten die Musiker ihrem Dirigenten, der sich bei den Interpretationen auf wenig Neumodisches einließ und somit besonders Freunde klassischer Interpretationen und althergebrachter Tempi erfreute. Die Musiker erfassten die Essenz der Stücke überzeugend und leisteten sich wenige Patzer. Lediglich die Erste Geige wirkte manchmal ein wenig schleppend, die Holzbläser hätten gerade bei den schwierigen Bedingungen insgesamt ein wenig dezenter aufspielen können und das Blech verquetsche den einen oder anderen Ton. Insgesamt aber lediglich kleine Kritikpunkte, die den Gesamteindruck kaum trübten.

An Letzterem hatte auch Leonore Gäbel einen entscheidenden Anteil: Perfekt interpretierte die Pianistin den Flügel in Mozarts Konzert. Das harmonische Zusammenspiel des Orchesters wurde in den verspielten Klängen und in Wechselwirkung mit dem Soloinstrument besonders deutlich.

Das Orchester Osnabrücker Musikfreunde überzeugte beim Herbstkonzert in der Bonnuskirche. Foto: Swaantje Hehmann

 

 

NOZ vom 20. Mai 2014

Eindrucksvoller Spuk

Orchester der Osnabrücker Musikfreunde präsentiert russische Musik

von Thomas Hitzemann

OSNABRÜCK.   Der Weg führt immer noch nach oben, den das Orchester der Osnabrücker Musikfreunde mit seinem Dirigenten Reinmar Neuner zurzeit geht. Das diesjährige Frühjahrskonzert in der Osnabrückhalle präsentiert russische Musik.

Modest Mussorgskis ,,Nacht auf dem kahlen Berge", eine Art Happening zwischen Satan und seinen Hexen musikalisch darstellend, zeigt Anklänge an das Melodram. Theaterschauspieler Thomas Schneider zitiert an passender Stelle Verse aus Goethes ,,Walpurgisnacht", entnommen dem Drama ,,Faust". Im tiefen Blech wird schon bald Satans Stimme vernehmlich. Flirrend umwehen ihn die Streicher als Hexen, und deren Gift scheinen die Holzbläser zu versprühen. Erst beim Klang einer Glocke endet der eindrucksvolle Spuk. Alles löst sich auf in christlicher wie auch tonaler Harmonie.

Kühlen Nebeln folgt orientalische Wärme bei Nikolai Rimski-Korsakows Sinfonischer Suite op. 35 ,,Scheherazade". Diese Musik beschreibt allein durch Klang alles Wesentliche so deutlich, dass Satzüberschriften zum Verständnls völlig genügen.

Immer wieder steht der sensible Ton der Solovioline des Konzertmeisters dem in allen Farben schillernden Orchesterapparat gegenüber. Ist das die zarte Stimme von Scheherazade, die doch 1000 und eine Nacht lang nicht müde wurde, Märchen zu erzählen? Bereits im zweiten Satz steigert sich das Orchester zu einem Finale, das noch lange keines ist. Die zärtliche Kantilene im ,,Jungen Prinzen" kommt danach nur umso schöner zur Geltung. Während des nahtlosen Überganges der beiden Schlussbilder beeindruckt das Orchester rnit einer ganzheitlichen Klangkörpervirtuosität.

Den Tonträgeraufzeichnungen aller Art kann die Aufführung von Sergei Prokofiews ,,Peter und der Wolf" die Stirn bieten. Das liegt auch an Thomas Schneider, dessen Wortdeklamation oft überraschende Betonungen einzelner Ausdrücke bereithält und in Schlusswendungen niemals Spannungsabfall aufweist. Alle Wiedererkennungsmotive der Erzählung werden von den Instrumentalisten glänzend vorgestellt. Auch das Orchester als Ganzes zeigt sich von seiner feinsten Seite. Im Handumdrehen wechselt es vom transparenten Tutti zum delikaten Kammermusikton.

Theaterschauspieler Thomas Schneider und das Orchester Osnabrücker Musikfreunde
Foto: Philipp Hülsmann

 

 

 

NOZ (Bramsche) vom 18. Mai 2014

Konzert in der Waldorfschule

Familientaugliche Sinfonik in Evinghausen

von Ludger Rehm

EVINGHAUSEN. Es hat sich in der Region herumgesprochen: In Evinghausen gibt es nicht nur ein regional interessantes Alternativschulangebot, sondern die Aula der Freien Waldorfschule dürfte auch zu einem der schönsten Konzertsäle im Umkreis gehören. Nach Gastspielen der „Bläserphilharmonie Osnabrück“ war nun am Samstagnachmittag das „Orchester Osnabrücker Musikfreunde“ unter der Leitung von Reinmar Neuner zu Gast. Im Gepäck ein Programm mit familientauglicher russischer Sinfonik und mit Thomas Schneider, Schauspieler am Theater Osnabrück, als Sprecher.

Zu Modest Mussorgskys Orchesterfantasie „Die Nacht auf dem Kahlen Berge“ taucht Thomas Schneider plötzlich aus den Orchesterreihen mit Hexenmaske und schwarzem Umhang auf und deklamiert mit dramatischer Verve die programmatischen Zwischentexte. Eine schöne und dramaturgisch wirkungsvolle Idee. Auch das Orchester zeigt, dass es mit Reinmar Neuner nicht nur einen souveränen Dirigenten hat, sondern offensichtlich auch einen guten Übungsleiter, der auf homogenen Klang der Stimmgruppen, exakten Strich, ausgewogenen Gesamtklang und präzise Einsätze achtet. Da braust und tobt es mit rhythmischer Genauigkeit, da säuselt und wirbelt es mit virtuosen Bläsersoli, da webt und schwebt es mit satten Streichertremoli und treffsicheren Pizzicati. Da kommen nicht nur der Leibhaftige, seine Hexen und seine Zauberer voll auf ihre Kosten.

Zu Sergej Prokofjews musikalischem Märchen „Peter und der Wolf“ tritt Schneider mit Schirmmütze und im Freizeit-Look auf: sozusagen das Alter Ego des jungen Peter. Die Sprecherrolle fungiert solistisch. Es gibt auch hier Zwischentexte, aber ebenso auch melodramatisch zur Musik komponierte Einsätze. Schneider ist ein echter Erzähler, er erzählt für sein Publikum, er mimt, er bückt sich, er streckt sich, er erzählt mal verschmitzt, mal lässig, mal ironisch, mal großmaulig, mal mitleidig und dann wieder drohend, aber auch mal zu schnell oder zu leise. Ein reichhaltiges Repertoire von Gesten und Stimmungen, die auch das Orchester mitspielt, aufgreift oder vorgibt. Es gelingt dem Orchester, Prokofjews nur scheinbar leichte Partitur mit hoher kammermusikalischer Sensibilität und Präzision umzusetzen. Dass Neuner den abschließenden Triumphmarsch zu Beginn eher als eine Art Trauermarsch interpretiert, kann als subtiler Hinweis auf das Politisch-Allegorische des Werkes verstanden werden.

Nach der Pause steht Nicolai Rimsky-Korsakows sinfonische Suite „Scheherazade“ auf dem Programmzettel. Nach einer kurzen Erzählereinleitung, die Schneider im Sultangewand zelebriert, lässt die Musik in vier ausgedehnten Sätzen den tyrannisch-bösen Sultan auftreten und seine zum Tode verurteilte Frau Scheherazade, die die Vollstreckung des Urteils durch das Erzählen von Märchen erst aufschieben und schließlich den Sultan ganz besänftigen kann. Konzertmeister Wolfgang Paulik hat den anspruchsvollen Part der Solo-Violine übernommen und zaubert eine sowohl filigrane als auch facettenreich tiefsinnige Scheherazade. Dem gegenüber stehen nicht nur die mächtigen Posaunen- und Tutti-Einsätze des Sultans, sondern auch ein opulentes Klangmeer romantischer Sinfonik, bei dem das Orchester an Klangfülle und Intensität noch einmal deutlich zulegt, um das stürmische Meer, dem Sindbads Schiff vergeblich zu trotzen versucht, und um das orientalische Markttreiben in Bagdad mit instrumentalen Arabesken und flirrenden Rhythmen in kräftigen Farben zu malen. Standing Ovations!

Mit Schirmmütze trat Schauspieler Thomas Schneider zu „Peter und der Wolf“ auf.
Foto: Ludger Rehm

 

 

 

NOZ vom 12. November 2013

Musikfreunde spielten Bruckner und Strauss

Dicke Brocken sauber bewältigt

von Jan Kampmeier

OSNABRÜCK.   Die richtig fetten Brocken sind dem Orchester Osnabrücker Musikfreunde offenbar gerade recht. Bruckner und Mahler standen schon bei den letzten Konzerten auf dem Programm. Diesmal war es wiederum Bruckner mit seiner groß besetzten, einstündigen Symphonie Nr. 7. Dazu kamen in der Osnabrückhalle noch Richard Strauss‘ „Vier letzte Lieder“ sowie eine Passacaglia von Buxtehude, für Orchester bearbeitet von Karl Schönecker.Der inzwischen verstorbene Lehrer am Osnabrücker Carolinum hat das Orgelwerk etwa im Sinne der Bach-Bearbeitungen eine Leopold Stokowsky orchestriert, vielleicht nicht ganz so überbordend opulent. Um so üppiger ist der Klang in den Liedern nach Hesse und Eichendorff von Richard Strauss.

Die Solistin Katja Rothfuss singt mit schnellem Vibrato. Sie hat eine helle, aber nicht unbedingt die größte Stimme, die in der mittleren beziehungsweise tiefen Lage etwas matt wirkt und nicht kräftig genug ist. Das Violinsolo im vierten Lied „Im Abendrot“ erinnert mit seinem ebenfalls schnellen Vibrato an ältere Aufnahmen mit ihrem ungehemmt schwärmerischen Tonfall. Eher dem entgegen stehen jedoch die ziemlich zügigen Tempi, die Dirigent Reinmar Neuner wählt. An mancher Stelle hätte man sich doch ein intensiveres Ausleuchten der Stimmung gewünscht.

Sehr viel sorgsamer gestaltet wirkt Bruckners beliebte Siebte, leider wird die Aufführung in der „neuen“ Osnabrückhalle vom Klappern der Flaschen beim Aufräumen im Foyer stark gestört. Das erste, lange Thema intonieren die Celli sehr sanft, beim Tempo erlaubt sich Reinmar Neuner großzügige Schwankungen. Energisch und auswendig führt er das Orchester. Das Adagio beginnt eher flott, doch die Coda wird ergreifend ausgekostet. Der berüchtigte, umstrittene Beckenschlag erklingt nicht, wohl aber die Paukenwirbel.

Das Orchester ist nicht nur technisch in der Lage, solche einen Brocken zu bewältigen, sondern das sogar richtig gut - welches nicht professionelles Orchester könnte das schon von sich behaupten? Die Leistung der Musikfreunde ist eine saubere Sache, Intonation und Zusammenspiel sind stimmig. Kleine Macken gibt es hier und da, doch im Ganzen präsentieren die Musiker tadellose Leistungen. In der Instrumentation Bruckners sind die einzelnen Register besonders gut zu hören. So überzeugt das Blech als Satz – hier natürlich besonders wichtig und entsprechend groß besetzt, ebenso das Holz mit vielen schönen Soli.

Osnabrücker Musikfreunde beim Konzert in der Osnabrückhalle
Foto: Thomas Osterfeld

Zu dieser Rezension gab es einige ausführliche Leserbriefe:
Leserbriefe vom 30.11.2013

 

 

NOZ vom 10. Mai 2013

Musikfreunde zelebrieren die „Eroica"

von Thomas Hitzemann

OSNABRÜCK.    Einmal mehr zeigt das Orchester "Osnabrücker Musikfreunde", dass große Klangkörper aus dem semiprofessionellen Bereich wichtige Musikwerke einem breiten Publikum nahebringen können. Ludwig van Beethoven und Robert Schumann stehen auf dem diesjährigen Frühjahrsprogramm in der Aula der Fachhochschule Osnabrück.

Mit einem kleinformatigen Beethoven legt man los, der Ouvertüre zum Ballett „Die Geschöpfe des Prometheus". Rhythmisch differenziert, melodisch sparsam und dramatisch gelegentlich pointiert, erscheint dieses Werk als Vorbereitung auf ein Geschehen mit gutem Ausgang. Durchaus positiv geht es dann auch weiter im Programm mit dem nicht sehr häufig gespielten Cellokonzert in a-Moll von Robert Schumann unter der Werknummer 129. Nach nur drei Akkorden des Orchesters stellt sich sogleich die Hauptperson vor, das Violoncello. Es spielt Johanna Helm von der Staatskapelle Berlin. Mit flüssigen Kantilenen, deutlicher Phrasierung und erfreulich vielen Klangfarben behält ihr Bogenstrich stets die Oberhand. Nach vollmundigen Passagen im langsamen Satz reicht ihre Kraft noch aus, burschikos den letzten Satz durchzustehen.

Dann steigert sich die Veranstaltung zum Ereignis. Beethovens 3. Sinfonie Es-Dur op. 55, seine "Eroica", erlebt eine famose Aufführung. Reinmar Neuner dirigiert auswendig. Traumwandlerisch sicher vermittelt er seine Klangvorstellung dem Orchester. Da ziehen harmonische Spannung und melodischer Charme deutlich an und lassen im genau richtigen Moment wieder nach. Der zweite Satz überbringt eine Botschaft in tiefem Ernst. Er kommt ohne weichliche Klagen oder Motivgeschwätzigkeit aus. Das Scherzo erklingt duftig. Vibrierend lässt es Neuner durch alle Register des Orchesters tänzeln. In ausschließlich hellen Klangfarben fließen energisch heitere Motive durch das Finale dem Ende zu. Das ist Musik gewordene Kraft des Optimismus. Dirigent und Orchester engagieren sich rückhaltlos. In den Applaus mischen sich viele Bravo-Rufe.

 

 

NOZ vom 16.10.2012

Immer locker und leichtfüßig

Konzert der Osnabrücker Musikfreunde

von Jan Kampmeier

OSNABRÜCK. Das Leichte ist meist besonders schwer: In der Musik ist das sicher nicht falsch, denn was sich ganz locker anhört, verlangt meist große technische Fertigkeiten. Ganz bestimmt gilt das für Emil Nikolaus von Rezniceks spritzige Ouvertüre zu „Donna Diana“. Das Orchester Osnabrücker Musikfreunde eröffnete mit dem einzigen Erfolgsstück Rezniceks in der Schlossaula sein Herbstkonzert voller Musik, die sicher nicht besonders tiefsinnig, dafür aber heiter und unbeschwert daherkam.

Virtuosenfutter

Dirigent Reinmar Neuner drosselt zuweilen das Tempo ein wenig, dennoch bleiben seine Interpretationen schwungvoll und leichtfüßig. Doch auch dichte, kompakte Klänge gelingen dem Orchester in Richard Strauss’ früher Burleske für Klavier und Orchester sehr gut. Für Tatiana Liakh am Flügel bietet das Werk offenbar willkommenes Virtuosenfutter, souverän donnert sie Oktav- und Akkordkaskaden in die Tasten. Ihr kräftiger Zugriff bekommt der Komposition gut und trifft anscheinend auch Neuners Geschmack. Kontrastreich gestaltet er, lässt die Geigen eine lyrische Kantilene mit sanftem Schmelz spielen.

Kammermusikalisch geht es nach der Pause weiter. Acht Bläser des Orchesters, unterstützt vom Kontrabass, begleiten den Trompeter Thorsten Scholz in den drei knappen, humorigen Sätzen von Jean Francaix’ „Le gay Paris“.

Frühreifer Franzose Das Finale bildet die Sinfonie von Georges Bizet. Wie schon bei Strauss handelt es sich hier ebenfalls um ein Jugendwerk: Nur einmal trat Bizet als Sinfoniker in Erscheinung, und zwar bereits mit 17 Jahren. Das Werk beweist: Kompositorisch war der Franzose erstaunlich frühreif, besonders beeindruckend ist der langsame zweite Satz. Eine Fuge im Mittelteil kommt zwar ziemlich überraschend, dafür ist das eigentümliche Thema der Rahmenteile betörend schön. Es erscheint zunächst in der Oboe, bietet aber auch den übrigen Holzbläsern viel schönes Material, und die können so ein weiteres Mal voll überzeugen: nach den frechen Klängen bei Francaix diesmal mit voll ausgespielten, lyrisch sanften Phrasen. Besonders eindrucksvoll gelingt ebenfalls im zweiten Satz den Streichern eine Steigerung im satten Geigenglanz, von Neuner sehr schön aufgebaut. Stimmig ist auch das Finale in seiner schwirrenden Beweglichkeit.

Souverän: Tatiana Liakh, Solistin bei der Burleske für Klavier und Orchester von Richard Strauss.
Foto: Archiv der NOZ

 

 

NOZ vom 15.10.2012

Heitere Klassik in Hagen

Herbstkonzert der Osnabrücker Musikfreunde in der Alten Kirche

Quelle dap / Neue Osnabrücker Zeitung

HAGEN. Das Motto des diesmal lautete „Heitere bzw. leichte Klassik“. Dafür wählte das Orchester unter der Leitung von Reinmar Neuner vier Stücke aus dem 19. und 20. Jahrhundert, die allesamt über einen eher fröhlichen Charakter verfügen. Den Auftakt machte die Ouvertüre aus der Oper „Donna Diana“ von Emil Nikolaus von Reznicek, die manchem noch als Eingangsmelodie der Musikquizsendung „Erkennen Sie die Melodie?“ bekannt sein dürfte. Die Musikfreunde präsentierten eine Version, die nicht ganz so temporeich war wie bei anderen Orchestern, was der musikalischen Wirkung aber keinen Abbruch tat, im Gegenteil: Die Ouvertüre kam stets leichtfüßig und beschwingt daher.

Das wohl faszinierendste Stück des Abends war Richard Strauss’ Burleske für Klavier und Orchester. Als Solistin glänzte die weißrussische Pianistin Tatjana Liakh, die das technisch äußerst anspruchsvolle Werk nicht nur scheinbar mühelos meisterte, sondern auch virtuos die verschiedenen Stimmungen des Stücks herausarbeitete: mal sanft, mal dramatisch, mal schwermütig, mal neckisch. Der besondere Reiz ergab sich jedoch vor allem aus der Interaktion mit dem Orchester, das einerseits den Kontrast zum Klang des Klaviers bildete und dann wieder mit ihm zu verschmelzen schien. So viel Virtuosität bedachte das Publikum mit begeistertem Applaus.

Nach der Pause kehrten die Musiker für „Le Gay Paris“ von Jean Françaix in reduzierter Besetzung zurück. Querflöte, Oboen, Klarinetten, Hörner, Fagott, Kontrabass und Solotrompete boten das dreisätzige Stück spritzig und ein wenig spöttisch dar. Den Abschluss bildete die Sinfonie in C-Dur von Georges Bizet, der zum Zeitpunkt der Komposition gerade einmal 17 Jahre alt war. Das Werk blieb fast 80 Jahre lang verschollen und wurde erst 1935 uraufgeführt. Höhepunkte der Sinfonie waren das Adagio mit der orientalisch angehauchten Oboenmelodie, die die schwelgerischen Geigen des Zwischenteils umrahmt, sowie das heitere und lebhafte Finale.

Die Musikfreunde zeigten ein für Laien beachtliches Niveau, wofür sie vom Publikum stürmischen, mehrminütigen Applaus ernteten. Das Einzige, was man an ihrem Herbstkonzert aussetzen könnte, war, dass es mit einer Dauer von 80 Minuten viel zu kurz war.

Foto Elvira Parton

 

 

NOZ vom 16. Mai 2012

Aufbruch zu neuen Ufern

Osnabrücker Musikfreunde spielen Mahlers Erste

von Thomas Hitzemann

OSNABRÜCK. Manche der Zuhörer sind gekommen, um dieses Violinkonzert zu hören, das erste in g-Moll op. 26 von Max Bruch. Mit der Geigerin Myvanwy Ella Penny hat das Orchester der Osnabrücker Musikfreunde eine gute Solistin verpflichtet. Ein in stiller Verzückung singender Ton und makellose Doppelgriffe prägen ihr Spiel von Anfang an.


Ihr Ton begibt sich nie weit weg vom Orchester auf solistische Höhenflüge. Bei der Begleitung legt Dirigent Reinmar Neuner besonderen Wert auf tragfähige Geschmeidigkeit. Weich und voluminös rollen die Phrasen wie Wellen durch den Europasaal der Osnabrückhalle. Erst im dritten Satz wird der reich verzierte Geigenpart des eingängigen Themas so kraftvoll, dass sich die junge Solistin stärker absetzt und deutlich an Profil gewinnt. Mit Otto Bode haben die Musikfreunde einen Komponisten in den eigenen Reihen. Sein „Informel“ wird sehr kultiviert gespielt. Es bringt eine Menge akustischer Informationen: Cluster, irisierende Linien, komplementäre Rhythmen, stammelnde Soli und eine allmähliche Entwicklung von der Dissonanz zur Konsonanz. Es gleicht einer Palette, die von jeder Farbe einen Tupfer zeigt. Doch nicht das damit gemalte Tableau wird zum Ausstellungsstück, sondern die Palette selbst.

Bildhafte Symphonik ist erst Gustav Mahlers 1. Sinfonie in D-Dur vorbehalten. Aus dem Boden eines endlosen Orgelpunktes sprießt motivisches Leben, gespielt von kleinen Gruppen der Bläser und tiefen Streichern. Nach und nach erwacht im Crescendo das ganze Orchester. Markante Hornklänge leiten ein Tutti explosiver Lebenskraft ein. Der zweite Satz scheint sich mehr Innenräumen des Gesellschaftslebens zu zuwenden. Champagnerlaune in den einzelnen Registern, bis sich alle Instrumente im „Fin de Siècle“-Walzertakt wiegen. Der dritte Satz gibt sich rückhaltlosem Weltschmerz hin. Flexibel stellen sich Neuner und das Orchester auf immer neue Szenenwechsel ein und behalten den Überblick. Träumerische Passagen sinnen der Vergangenheit nach, dann schimmert junge Hoffnung in den Tönen. Wie das ganze Orchester schließlich zu neuen Ufern aufbricht – das muss man gehört haben! Hier erklimmen die Musikfreunde eine weitere Sprosse auf ihrer Erfolgsleiter der letzten Jahre.

 

 

Westfälische Nachrichten vom 13. Mai 2012

Feurig und amüsant

Konzert der „Osnabrücker Musikfreunde“

von Sunhild Salaschek

LENGERICH - Das Orchester der „Osnabrücker Musikfreunde“ war am Samstag zu Gast in der Lengericher Gempt-Halle. Wieder einmal. Und wieder einmal wurde beste klassische Unterhaltung geboten.

„Langsam. Schleppend.“ Wer findet das heute für ein Musikstück angemessen oder gar ansprechend? Gustav Mahler aber verwendete diesen Untertitel bei seiner 1. Sinfonie (Der Titan, D-Dur). Am Samstag war sie krönender Abschluss eines faszinierenden Orchesterkonzertes in der Gempt-Halle.

Die „Osnabrücker Musikfreunde“ fesselten ihr Publikum mit einer ebenso feurigen wie amüsanten Interpretation des grandiosen Orchesterwerkes; denn schließlich finden sich dort auch die Spielanweisungen „ohne zu schleppen“ und „stürmisch bewegt“. Kein Wunder also, dass die Hörer – leider deutlich weniger als in der überfüllten Halle beim 25-jährigen Orchesterjubiläum im vergangenen Jahr – voller Begeisterung waren.

Das Orchester und sein bewährter Kölner Dirigent Reinmar Neuner hatten ein packendes Programm zusammengestellt, das sich von vornherein an der kontrastreichen Musik Mahlers zu orientieren schien. Man sagt seiner Sinfonie eine gewisse „Formlosigkeit“ und „parodierende Uneigentlichkeit“ nach, an die auch das eingangs gespielte Stück „Informel“ von Otto Bode (geb. 1937) anzuknüpfen schien. Gleichzeitig weckt der Titel dieser zeitgenössischen Komposition aber auch Assoziationen an die abstrakten Werke der Bildenden Künstler Wassily Kandinsky und Paul Klee. Dabei spielt Bode, der im Osnabrücker Raum vor allem durch seine Kammermusik bekannt wurde, gerne auch mit verstecktem Hintersinn. Mit Vergnügen entdeckten einige Hörer ein musikalisches Zitat aus „Till Eulenspiegels lustigen Streichen“ von Richard Strauss. Dem Orchester gelang es besonders gut die wechselnde Atmosphäre mit ihren schalkhaften Zügen musikalisch einzufangen.

Für ein weiteres Glanzlicht sorgte die in Freiburg geborene, auch bei großen Festivals begehrte Geigerin Myvanwy Ella Penny mit dem Violinkonzert Nr. 1 (g-moll, Op. 26) von Max Bruch. Nach einem sich langsam steigernden, zunächst sehr moderatem Wechselspiel zwischen Orchester und Solovioline schwelgte Penny tonschön im eingängigen Adagio-Thema ehe sie im energischen Finale auch den letzen Hörer mitriss.

Nach der Pause entfaltete das nochmals erweiterte Orchester die ganze Spannbreite der Mahler’schen Musik. Mit schwungvollen ausladenden Bewegungen vom gebeugten Knie bis zum Freudensprung brachte Neuner die enorme Charakter- und Klangvielfalt, in der sich sogar eine Parodie auf das Lied „Bruder Jacob“ fand, auch optisch gelungen zum Ausdruck.

Mit großem Beifall bedankte sich das Publikum für ein ebenso gehaltvoll entschleunigtes wie rasantes Konzert. Konzert der „Osnabrücker Musikfreunde“ : Feurig und amüsant

Foto Sunhild Salaschek

 

NOZ vom 13.02.2012

Kräftige Farben und Konturen

Mendelssohn Bartholdys „Paulus“

von Jan Kampmeier

DISSEN/HAGEN. „Wachet auf, ruft uns die Stimme.“ Den bekannten Choral hat Felix Mendelssohn Bartholdy gleich zu Beginn der Ouvertüre zu seinem Oratorium „Paulus“ wunderschön gesetzt. Er ist zunächst den Celli anvertraut und zieht den Zuhörer sofort hinein in die Geschichte des Apostels. In der Dissener Kirche St. Mauritius intonieren die Celli des Orchesters Osnabrücker Musikfreunde den Choral mit warmem, blühendem Klang. Das Thema taucht immer wieder auf in der turbulenten Ouvertüre, die das Orchester mit Schwung spielt.

Dann gibt der Kammerchor Cantus Firmus mit der Anrufung „Herr, der du bist der Gott“ seine prächtig klangvolle Visitenkarte ab. In der folgenden Geschichte wird der Chor, in enger Anlehnung an das Vorbild Bach, in Chorälen über das Geschehen reflektieren, als aufgebrachter Mob über Stephanus herfallen, um ihn zu steinigen, als naive Heiden Paulus als Gott verehren, um sich dann bereitwillig von ihm bekehren zu lassen. Und die Frauenstimmen werden sogar als Stimme Gottes auftreten – ein Spezialeffekt anno 1836, von Bartholdy so überraschend komponiert, dass er immer wieder verblüfft.

Stefan Bruhn führt Chor und Orchester mit sicherer Hand durch die Partitur. Die hält zwar für beide Ensembles sehr anspruchsvolle Aufgaben bereit, doch alle Beteiligten stellen sich diesen Herausforderungen nicht nur, sondern musizieren mit viel Engagement und Freude an den kräftigen Farben und Konturen, mit denen Bartholdy die Geschichte des Paulus so plastisch und lebendig gemalt hat.

Vorangetrieben wird die Handlung immer wieder von Tenor Max Ciolek, der in den erzählerischen Abschnitten dramatische Akzente setzt. So forsch er durch diese Rezitative stürmt, so ruhig gestaltet er seine einzige Soloarie „Sei getreu bis in den Tod“. Überwiegend mit lyrischen Qualitäten beeindruckt die junge Sopranistin Hanna Zumsande, vor allem in der zarten, traurigen Arie „Jerusalem, die du tötest die Propheten“. Die Titelpartie wird von Thilo Dahlmann verkörpert, der sich eindrücklich vom Verfolger Christi zum Apostel wandelt. Er interpretiert den vielseitigen Part mit Einfühlungsvermögen, so gelingt ihm zum Beispiel in der Arie „Gott sei mir gnädig“ ein inbrünstiges Gebet – das er allerdings mit großer Stimmgewalt intoniert.

Während die Soli in manchen Aufführungen auf vier bis sechs Solisten verteilt werden, springen hier für ein Duett die Herren des Chores ein, die übrigen kleineren Partien übernehmen die drei Solisten gleich mit, Sopranistin Hanna Zumsande sogar ohne stimmliche Einbußen die Altpartie.

Die Akustik in der nicht zu großen Kirche St. Mauritius erweist sich als bestens geeignet für die üppige Partitur. Selbst raschere Tempi sind hier problemlos möglich, denn die Konturen verschwimmen nicht. Klare Textverständlichkeit bei Chor und Solisten fallen ebenso angenehm auf wie die Transparenz der Orchesterklänge.

 

 

NOZ vom 24.05.2011

Üppiges Geburtstagsfest

Die Osnabrücker Musikfreunde feiern mit Beethovens Neunter 25-jähriges Jubiläum

von Thomas Hitzemann

OSNABRÜCK. Beim Festkonzert zum 25-jährigen Bestehen des Orchesters Osnabrücker Musikfreunde sind rund 200 Mitwirkende auf der Bühne der Osnabrückhalle. Beethovens Sinfonie Nr. 9 d-Moll op. 125 mit Chor erweist sich als ideales Werk zu dieser Gelegenheit.

Die Besetzung des Orchesters ist üppiger als gewohnt, der Chor riesenhaft. Er umfasst Holger Dolkemeyers Vokalvielharmonie, Stefan Bruhns Georgsmarienhütter Kantorei sowie sangesfreudige und -kundige Eltern und Schüler des Carolinums unter Ansgar Schönecker. Die Gesamtleitung hat Reinmar Neuner. Er dirigiert auswendig. Neuner interpretiert Beethovens letzte Sinfonie ganz im klassischen Geist. Als Höhepunktwerk einer Epoche, nicht als Vorläufer zu romantischer Sinfonik.

Spannungsgeladen vibrieren die ersten Phrasen des Eröffnungssatzes und münden in präzise niedersausende Tuttischläge. Kraftvoll ziehen Streicher ihre Linien, locker setzen Holzbläser Akzente dagegen. Wuchtig leiten die Blechbläser die Durchführung ein, und energisches Unisono beschließt die Reprise. Der zweite Satz gleicht einem Marsch über heißen Boden. Dank geschärfter Artikulationen kommt keine Hektik auf. Spielerisch gelingt der Taktwechsel mittendrin. Oboen und Hörner zeigen kammermusikalische Finesse.

Der dritte Satz strahlt Zufriedenheit aus. Eine musikalische Fahrt durch hügeliges Land im Abendsonnen-Schein. Selbst die Blechbläserfanfaren klingen wie eine gute Nachricht, lautstark überbracht. Alles erinnert ein wenig an Beethovens Pastoralsinfonie. Die pathetische Geste zu Beginn des vierten Satzes beunruhigt nicht. Nach kurzen Rückblenden deutet sich das berühmte Thema an, das sogar zur Europahymne geadelt wurde. Es sprießt aus der Tiefe des Orchesters hervor, zunächst noch verstreut. Dann übernehmen es nacheinander die Solisten Marco Vassalli (Bariton), Bernardo Kim (Tenor), Katrin Brauer (Mezzosopran) und Chihiro Tejima (Sopran). Bisher hält sich der Chor zurück. Es gibt einen letzten Instrumentalschwerpunkt im lockeren Fugato. Dann setzt der Chor triumphierend ein mit Friedrich Schillers „Ode an die Freude". Der Ausdruck steigert sich ins Allumfassende bei „Seid umschlungen, Millionen". Ein Brausen im vielstimmigen Schluss beendet dieses großartige Konzert zum 25-jährigen Orchesterjubiläum.

 

 

WN vom 23.05.2011

Eine Ode an die Spielfreude

Aus Anlass seines 25-jährigen Bestehens hatte das "Orchester Osnabrücker Musikfreunde“ in die Gempt-Halle eingeladen. Musiker und Solisten sowie Chöre begeisterten das Publikum mit der Aufführung der 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven.

von Sunhild Salaschek

LENGERICH. Der Applaus wollte kaum enden. Das Publikum war wie berauscht von Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie mit dem grandiosen Schlusschor „Freude schöner Götterfunken“.

Es ist ein Glücksfall, dass es gelang, die „Osnabrücker Musikfreunde“, die regelmäßig Neujahrskonzerte in Lengerich geben, auch für dieses Konzert zu gewinnen. Aus Anlass seines 25-jährigen Bestehens gastierte das Orchester unter seinem Kölner Dirigenten Reinmar Neuner im gut besuchten großen Saal der Gempt-Halle. Zu dem hervorragenden Laienorchester der „Musikfreunde“, das selbst bei diesem großen Werk fast gänzlich auf die Unterstützung von Profiinstrumentalisten verzichten konnte, haben sich 70 Instrumentalisten aus dem gesamten norddeutschen Raum zusammengeschlossen.

Zur Gestaltung des Vokal-Satzes mit der hervorragenden „Ode an die Freude“ hatten die „Musikfreunde“ dann aber gleich drei Chöre mit ins Boot genommen. Die „Osnabrücker Vocalvielharmonie“ (Leitung Holger Dolkemeyer), der Eltern-Schülerchor des Carolinums (Leitung Ansgar Schönecker) und der „Cantus Firmus“ (Leitung Stefan Bruhn) hatten sich zu einem wohltönenden stimmgewaltigen Großchor vereinigt.

Die Solisten Chihiro Meier-Tejima (Sopran), Kathrin Brauer (Mezzosopran), Bernardo Kim (Tenor) und Marco Vassalli (Bariton) - alle vier Mitglieder des Ensembles der Städtischen Bühnen Osnabrück - rundeten die stimmliche Vielfalt der Komposition klangschön ab.

Besondern bewundernswert war das gute, zielgerichtete Zusammenwirken von Professionellen und Laien, von Sängern und Instrumentalisten. Trotz des Wissens um die von Beethoven geforderten Schwierigkeiten, die selbst Berufsmusiker herausfordern, gelang eine Aufführung auf hohem Niveau, bei der die Musizierfreude dominierte.

Im Gegensatz zu Beethoven selbst, der bei der Uraufführung wie ein Wahnsinniger hin und her gefahren sein soll, bewahrte Neuner bei seinem Dirigat immer eine ruhige Hand. Er forderte Dynamik und Ausdruck nicht gebieterisch ein, sondern verdeutlichte in Gestik und Mimik die musikalische Entwicklung.

Da ihm das Orchester aufmerksam folgte, geriet die Interpretation des gewaltigen symphonischen Werkes ansteckend lebendig. Die Aufführenden ließen die Musik vom düster kämpferischen Beginn über derbe Fröhlichkeit bis zur friedvollen Zuversicht immer wieder neu aufblühen.

Viele schön gespielte Soli, allen voran in den Celli und Bässen, entfalteten eine dramatisch schöne Farbenpracht, ehe die begeisterten Hörer endgültig vom großen Freudentaumel über die allgemeine menschliche Verbrüderung mitgerissen wurden und sich die Spannung in lang anhaltendem Beifall entlud.